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Substratkunde

Substrate selbst mischen

Vier erprobte Mischungen nach Herkunft der Pflanze — von rein mineralisch für Hochgebirgsarten bis organomineralisch für Epiphyten.

Fertige Kakteenerde aus dem Handel ist ein Kompromiss für alle Arten — und deshalb für keine optimal. Wer mehr als eine Handvoll Pflanzen pflegt, mischt selbst. Das ist günstiger, reproduzierbar und man weiß, was drin ist.

Was ein Substrat leisten muss

Vier Eigenschaften, teilweise im Widerspruch zueinander:

  1. Drainage — überschüssiges Wasser muss binnen Minuten ablaufen.
  2. Wasserspeicherung — ein Teil der Feuchtigkeit muss pflanzenverfügbar bleiben.
  3. Luftkapazität — die Wurzeln atmen; verdichtetes Substrat erstickt sie.
  4. Strukturstabilität — die Mischung darf über Jahre nicht zusammensinken.

Torf erfüllt 2 gut, 1 und 4 schlecht. Darum ist er in Kakteensubstrat das Hauptproblem: Nach zwei Jahren ist er zersetzt, verdichtet und hält Wasser, wo keines sein soll.

Die Komponenten

Komponente Körnung Funktion
Bims 2–6 mm Hauptbestandteil; speichert Wasser in den Poren, bleibt stabil
Lavagranulat 2–8 mm Struktur, Spurenelemente, sehr formstabil
Perlite 2–6 mm Luftkapazität, leicht; schwimmt beim Gießen auf
Zeolith 1–4 mm Kationenaustauscher, puffert Nährstoffe und pH
Quarzsand 1–3 mm Feinanteil; nur gewaschen, sonst schlämmt er zu
Blähschiefer 2–8 mm wie Lava, etwas leichter
Kokohum/Kokosfaser — organischer Anteil, zersetzt sich langsamer als Torf
Kalkschotter 2–5 mm für kalkliebende Arten, hebt den pH

Für die Basismischung reichen Bims, Lava und gewaschener Quarzsand.

Vier Mischungen

1. Rein mineralisch — Hochgebirge und Caudex

Für Ariocarpus, Turbinicarpus, Copiapoa, Lophophora, Aztekium sowie Caudexpflanzen.

  • 40 % Bims 2–4 mm
  • 30 % Lavagranulat 2–6 mm
  • 20 % Zeolith
  • 10 % Kalkschotter

Kein organischer Anteil. Gedüngt wird ausschließlich über die Gießlösung. Diese Mischung verzeiht Gießfehler am besten — sie trocknet schnell ab.

2. Standard — die meisten Säulen- und Kugelkakteen

Für Echinopsis, Mammillaria, Gymnocalycium, Notocactus, Ferocactus, Echinocereus.

  • 50 % Bims 2–6 mm
  • 20 % Lavagranulat
  • 20 % torffreie Pflanzerde oder Kokohum
  • 10 % gewaschener Quarzsand

Das ist die Allzweckmischung. Rund 20 % organischer Anteil versorgt die Pflanze in den ersten Monaten und hält etwas Feuchtigkeit.

3. Organomineralisch — nährstoffhungrige Arten

Für Pilosocereus, Trichocereus, Chamaecereus, große Opuntia und alles, was schnell wächst.

  • 40 % Bims
  • 35 % torffreie Pflanzerde
  • 15 % Lavagranulat
  • 10 % Quarzsand

Diese Arten haben einen höheren Nährstoffumsatz. Bei zu mineralischer Mischung bleiben sie im Wuchs stecken.

4. Epiphyten — Blatt- und Gliederkakteen

Für Schlumbergera, Epiphyllum, Rhipsalis, Hatiora, Hoya.

  • 40 % Pinienrinde, feine Fraktion
  • 30 % Kokohum
  • 20 % Perlite
  • 10 % Bims

Diese Pflanzen wachsen in der Natur in Astgabeln auf Humusansammlungen. Sie brauchen ein luftiges, saures, organisches Substrat — eine mineralische Wüstenmischung bringt sie um.

pH-Wert

Die meisten Kakteen wollen leicht sauer bis neutral: pH 5,5–6,8.

Ausnahmen nach oben (pH 7–7,5, Kalkzusatz): Ariocarpus, Astrophytum, Aztekium, viele mexikanische Hochlandarten.

Ausnahmen nach unten (pH 5,0–5,5): alle Epiphyten, Uebelmannia, Discocactus.

Wer mit hartem Leitungswasser gießt, hebt den pH über die Jahre unweigerlich an. Gegenmittel: Regenwasser, oder das Gießwasser mit wenigen Tropfen Zitronensäure auf pH 6 einstellen.

Vorbereitung

Sieben. Entferne den Feinstaub unter 1 mm — er verstopft die Porenstruktur. Ein Durchwurfsieb aus dem Baumarkt genügt.

Waschen. Bims und Lava enthalten feinen Abrieb. Einmal mit dem Gartenschlauch durchspülen, bis das Wasser klar abläuft.

Nicht sterilisieren. Bei ausgewachsenen Pflanzen unnötig. Nur Aussaatsubstrat wird sterilisiert — siehe Kakteen aus Samen ziehen.

Umstellung bestehender Pflanzen

Eine Pflanze, die jahrelang in Torfsubstrat stand, hat daran angepasste Wurzeln. Setze sie nicht abrupt in rein mineralisches Substrat: Die feinen Saugwurzeln sterben ab, bevor neue gebildet sind.

Besser in zwei Schritten über zwei Jahre, oder einmal in eine Mischung mit 10–15 % organischem Anteil als Brücke.

Dazu im Video

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