Praxis
Eine Sammlung aufbauen
Von zehn Töpfen zu dreihundert: Sortiment planen, Etiketten führen, Bezugsquellen finden und den Platzbedarf realistisch einschätzen.
Irgendwann kippt es. Aus drei Fensterbankpflanzen werden dreißig, und plötzlich stellt sich die Frage nach System, Platz und Überwinterung. Dieser Text ist für den Moment davor.
Sammeln mit Schwerpunkt
Wahlloses Sammeln führt zu einem Sortiment, das weder gut gepflegt noch interessant ist. Erfahrene Sammler spezialisieren sich — meist auf eine der drei Achsen:
Nach Gattung. Mammillaria, Gymnocalycium oder Sulcorebutia haben jeweils über hundert Arten mit deutlichen Unterschieden und ähnlichen Ansprüchen. Das macht die Kultur einfach, weil alle dasselbe Regime vertragen.
Nach Herkunft. Alle Arten eines Hochlands, etwa der bolivianischen Anden. Standortangaben werden dann Teil der Sammlung, Feldnummern bekommen Bedeutung.
Nach Wuchsform. Nur Lithops und andere Mesembs, nur Säulenkakteen, nur caudexbildende Arten.
Eine Mischsammlung ist nicht falsch — sie erschwert nur die Überwinterung, weil unterschiedliche Ruhephasen zusammenkommen.
Etiketten: der Unterschied zwischen Sammlung und Ansammlung
Ohne Beschriftung ist eine Sammlung nach wenigen Jahren wertlos — man kann weder tauschen noch bestimmen noch gezielt nachkaufen.
Was aufs Etikett gehört:
- Gattung und Art, so vollständig wie bekannt
- Feldnummer, falls vorhanden (z. B.
LAU 1089,KK 1234) — sie identifiziert die Herkunftspopulation und ist bei Wildarten wertvoller als der Artname - Herkunft: Aussaat, Kauf, Tausch, mit Jahr
- Datum der letzten Umpflanzung
Bewährt haben sich Kunststoffetiketten mit Bleistift beschriftet. Edding verblasst in der UV-Strahlung innerhalb einer Saison, Bleistift nicht.
Parallel eine Tabelle führen: Nummer, Art, Herkunft, Aussaatdatum. Geht das Etikett verloren, ist die Pflanze darüber wieder zuzuordnen.
Bezugsquellen
| Quelle | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Baumarkt | billig, sofort | oft falsch oder gar nicht bestimmt, häufig gefärbt oder mit Trockenblumen beklebt |
| Spezialgärtnerei | korrekt bestimmt, gesund, Feldnummern | teurer, meist Versand |
| Fachgesellschaft, Tauschbörse | Raritäten, Wissen, oft geschenkt | nur zu bestimmten Terminen |
| Samen | sehr günstig, riesige Auswahl | dauert Jahre |
Von aufgeklebten Strohblumen und eingefärbten Pflanzen aus dem Supermarkt rät jeder Sammler ab: Der Kleber zerstört die Epidermis, die Pflanze ist dauerhaft geschädigt.
Artenschutz: Viele Kakteen stehen unter CITES. Beim Import und beim Kauf aus dem Ausland sind Papiere nötig; Wildentnahmen sind verboten. Seriöse Gärtnereien liefern Nachzuchten mit Bescheinigung.
Platz realistisch rechnen
Eine 10-cm-Pflanze braucht mit Abstand rund 15 × 15 cm Stellfläche. Für hundert Pflanzen sind das gut zwei Quadratmeter — plus Wege. Zwei Fensterbänke fassen etwa 40 Töpfe.
Der echte Engpass ist nicht der Sommer, sondern die Überwinterung. Alles, was im Sommer draußen steht, muss von Oktober bis April kühl, hell und trocken unterkommen. Wer das nicht vorher plant, stellt im November Kisten ins Treppenhaus.
Zur Dimensionierung siehe Gewächshaus für Kakteen und Überwintern.
Einheitliches Substrat spart Arbeit
Je größer die Sammlung, desto wichtiger ist ein Standardsubstrat, das für 90 Prozent der Pflanzen passt. Sonderwünsche bekommen eine abgewandelte Mischung, nicht jede Art ihre eigene. Die Rezepturen stehen unter Substrat mischen.
Dasselbe gilt für Topfgrößen: zwei oder drei Formate statt zwölf. Das vereinfacht das Gießen erheblich, weil Töpfe gleicher Größe ähnlich schnell abtrocknen.
Hygiene
Mit der Sammlungsgröße steigt das Risiko, dass sich ein Schädling unbemerkt ausbreitet.
- Neuzugänge vier Wochen separat stellen
- Beim jährlichen Umtopfen jeden Wurzelballen ansehen
- Werkzeug zwischen den Pflanzen desinfizieren, besonders nach Schnitten
Was wo auftritt und was hilft, steht unter Krankheiten und Schädlinge sowie Schädlinge und Krankheiten.
Anschluss finden
Die Deutsche Kakteen-Gesellschaft und ihre Ortsgruppen sind der schnellste Weg zu Wissen, Pflanzen und Saatgut. Auf Tauschbörsen bekommt man Arten, die kein Handel führt — und Hinweise zur Kultur, die in keinem Buch stehen.
Dazu im Video
Kakteen mit Kindern entdecken - Kinderführung mit Lotte Haage in den Gewächshäusern
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Besuch in der größten Kakteen-Saatgut Gärtnerei Deutschlands | Gewächshaus Tour (1/?)
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